Nachhaltig geniessen

„Naturwein bringt das Terroir und die Jahrgänge noch besser zur Geltung“

Mélanie Besse bewirtschaftet fünf Hektar Reben in Martigny-Croix und produziert rund 30.000 Flaschen pro Jahr. Naturweine machen 20 % ihres Sortiments aus. Sie bringen typische Walliser Rebsorten wie Fendant, Petite Arvine oder Syrah auf überraschende Weise zur Geltung.

„Naturwein bringt das Terroir und die Jahrgänge noch besser zur Geltung“

Réane Ahmad

Freie Texterin

Welche Philosophie steckt hinter dem Familienweingut?

Der Schutz der Umwelt und der Artenvielfalt liegt uns sehr am Herzen. Auf unserem bio- und biodynamisch zertifizierten Gut wird mit so wenig Eingriffen wie möglich gearbeitet. Der Verkauf läuft direkt und regional. Das garantiert eine Versorgungssicherheit, die Produkte vom anderen Ende der Welt einfach nicht bieten können! Zudem gehört der Betrieb zum nationalen Netzwerk BottleBack, das auf wiederverwendbare Einheits-Weinflaschen setzt.

„Ohne Sicherheitsnetz zu arbeiten, erlaubt es mir, Fehler zu machen und meinen Geschmackssinn weiter zu verfeinern.“

Naturweine – was ändert sich dadurch in der Produktion?

Man nimmt, was die Natur gibt – mit einem höheren wirtschaftlichen Risiko je nach Jahrgang. Da es sich um eine önologische Methode ohne künstliche Eingriffe handelt, ist sie technisch anspruchsvoller und erfordert mehr Laboranalysen und Verkostungen. Es wird viel experimentiert, um zu sehen, was funktioniert und was nicht. Kleine Faktoren wie das Wetter oder die Hefen haben hier einen riesigen Einfluss. Naturweine sind wegen des Mehraufwands und der strengen Selektion der besten Trauben etwas teurer. Mit den Ergebnissen bei den Rotweinen und dem Pétillant Naturel lässt sich bereits bestens arbeiten, bei den Weissweinen gibt es noch Potenzial.

Was macht sie geschmacklich so besonders?

Bei klassischen Weinen sind Fehler heute kaum noch zu finden, was oft zu einem Einheitsgeschmack führt. Naturweine betonen das Terroir und die Jahrgänge viel stärker, jede Cuvée ist einzigartig. Ohne Sicherheitsnetz zu arbeiten, erlaubt es mir, Fehler zu machen und meinen Geschmackssinn weiter zu verfeinern. Als Winzerin hat man schliesslich mit jeder Ernte nur einen Versuch pro Jahr!

„Beim gemeinsamen Verkosten und Teilen fällt es den Menschen leichter, frei ihre Meinung zu sagen.“

Wie lagert man Naturwein am besten?

Ganz unkompliziert, genau wie klassischen Wein: im Keller bei einer Temperatur zwischen 14 und 16 Grad. Einige Weine sollten vor dem Einschenken dekantiert werden. Sie sollten allerdings nicht auf dem Kamin stehen, wenn sie am Ende des Essens getrunken werden wollen!

Wie wird das Thema der Kundschaft und der Öffentlichkeit nähergebracht?

Die Welt des Naturweins ist anfangs gar nicht so leicht zu greifen. Bei Degustationen im Keller lassen sich die Weine am besten entdecken; die Neugier auf diese neuen Geschmacksprofile ist gross. Im Publikum wächst das Bewusstsein, dass es auch andere Wege gibt – gut für die Natur und gut für den Körper. Beim gemeinsamen Verkosten und Teilen fällt es den Menschen zudem leichter, ganz frei ihre Meinung zu sagen.

Réane Ahmad

Freie Texterin

Réane ist freiberufliche Redakteurin in der Westschweiz und hat sich auf Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Tourismus spezialisiert. Sie liebt es, regionale Produkte ebenso zu geniessen wie das Schreiben.
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Veröffentlicht am

5.7.2026